Studienort Altdorf – Das altdorfer Lehrerseminar


 Die Wiege der Landsmannschaft Onoldia stand in dem altehrwürdigen Frankenstädtchen Altdorf, wo mittelfränkische Seminaristen des dortigen Lehrerseminars ihre Landsmannschaft ins Leben riefen. Es liegt daher nahe, eine kurze Geschichte dieser historischen Bildungsstätte voranzustellen:

Die ersten Gebäude der Anstalt entstanden bereits im Jahre 1571, als die Nürnberger Patrizierschule unter dem Namen „Nürnberger Landschule“ nach Altdorf verlegt wurde.

Bereits acht Jahre später erhob Kaiser Rudolf II. diese Schule zur Akademie, und 1622 wurde daraus unter Ferdinand II. eine Universität. Diese gewann immer mehr an Bedeutung und hatte ihre Blütezeit Ende des 17., anfangs des 18. Jahrhunderts. Ihre Lehrer hatten internationalen Ruf, die Studenten kamen aus fast allen europäischen Ländern. Daß Wallenstein in Altdorf „studierte“ ist geschichtliche Wirklichkeit. Schillers Aussage in Wallensteins Lager beruht auf gewissenhaftem Quellenstudium:

„Denn zu Altdorf im Studentenkragen Trieb er?s mit Permiß zu sagen, ein wenig locker und burschikos.“

Als aber im Jahre 1743 durch die Markgrafen von Ansbach-Bayreuth die Universität zu Erlangen gegründet wurde, nahm die Zahl der Altdorfer Studenten mehr und mehr ab. Im Jahre 1809 wurde schließlich die Altdorfer Universität aufgehoben.

Die Gebäude standen leer bis zur Errichtung des Altdorfer Lehrerseminars 1824. Das Studentenleben Wallensteins kehrte mit den jungen Seminaristen allerdings nicht ins Städtchen zurück. Die Studenten neuer Art waren in verschiedenen bayerischen Präparandenschulen auf das Seminar vorbereitet worden und absolvierten hier in der Anfangszeit ein zwei- später ein dreijähriges Studium, das mit einer sehr umfassenden 1. Lehramtsprüfung abschloß.

In dieser kurzen Zeit hatten die jungen Seminaristen eine enorme Stoffülle zu bewältigen. Das Seminar galt als eine erstrangige Fachschule und bildete die angehenden Lehrer in den Disziplinen der theoretischen und praktischen Pädagogik hervorragend aus. Daneben wurde die in den Präparandenschulen begonnene Allgemeinbildung in allen Fächern fortgesetzt und auf eine beachtliche Höhe geführt.

Einen großen Raum nahm die musische Bildung ein. Jeder Lehrerabsolvent konnte mindestens drei Instrumente spielen, wußte in der Harmonielehre Bescheid und war als Chorleiter ausgebildet. Dank dieser umfassenden Ausbildung sind aus dem Lehrerstand bedeutende Persönlichkeiten hervorgegangen, die auf den verschiedensten Gebieten von Kunst und Wissenschaft Hervorragendes geleistet haben.

Aber auch viele „Durchschnittslehrer“ hatten und haben über ihre Berufsarbeit hinaus bedeutende Leistungen aufzuweisen. Der Weg dahin führte allerdings über eine harte Seminararbeit, die an die Seminaristen hohe Anforderungen stellte. Leider glaubte man damals, das hohe Ausbildungsziel nur mit strengster Zucht und äußerster Bevormundung erreichen zu können.

Erst das Jahr 1848 soll eine kleine Besserung bewirkt haben. Noch lange aber lasteten die Regulative mit ihren harten Vorschriften für Erziehung und Bildung schwer auf den jungen Leuten. Es ist daher nur zu gut zu verstehen, daß im Dienst ergraute Lehrer heute noch mit allergrößter Hochachtung von ihren ehemaligen Seminarlehrern sprechen, die, als die Elite der bayerischen Lehrerschaft, über hervorragende berufliche Qualitäten verfügten, darüber hinaus aber sich ein warmes Herz für die Jugend bewahrt hatten und den jungen Seminaristen in eigener Verantwortung das Studium nach Kräften erleichterten.

Über 4000 Lehrer haben am Altdorfer Seminar ihre berufliche Ausbildung erhalten, bis die Anstalt nach genau einhundertjährigem Bestehen im Jahre 1924 ihre Pforten schließen mußte. Die Gebäude beherbergen nunmehr das Wichernhaus mit einer bekannten orthopädischen Klinik.

Die ausführliche Geschichte der Onoldia

Anmerkung:
Der Text stammt aus der Festschrift zum 100-jährigen Stiftungsfest 1963 von Georg Schmid
Die wörtlich angeführten Auszüge sind entnommen der Ringzeitung (B Bbr. Leo Beyer, ch = Schriftführer d. R.),
einer Festschrift aus dem Jahr 1924 (L Bbr. Heinrich Loy) und unserem Mitteilungsblatt (Z Fritz Zwanziger).