Erinnerungen an Altdorf


Es liegt ein Städtlein so altersgrau

Im sonnigen Frankenland,
Dort fügten Onoldias stolzen Bau
Die Väter mit starker Hand.

Wie glühten damals die Herzen so heiß,
Für Liebe, für Mädchen, für Wein,
Wie hallten die Lieder im frohen Kreis,
Wie lachte der Sonnenschein!

Die Väter sie gingen, die Jugend sie sang
Im Städtchen voll Sonnenschein,
Es waren das Lieder mit neuem Klang
Und jünger die Mägdelein.

Doch schlugen die Herzen in alter Treu
Unter dem farbigen Band,
Und dann – es blitzten die Schläger so frei
Im Kampfe fürs Vaterland.

Geschlossen die Tore, die Stadt liegt verwaist,
Der letzte der Söhne zog fort,
Es lebt der Onolden unsterblicher Geist
Schon lange an anderem Ort.

Doch sind sie versammelt bei Liedern und Wein,
So denken sie froh oft zurück:
Ans Städtchen, ans Mädchen, an Sonnenschein,
Ans selige Jugendglück.

Dieses Gedicht unseres Bbr. Leo Beyer entstand im Jahre 1926,
zwei Jahre nach der Auflösung des Altdorfer Seminars,
anläßlich einer Wiedersehensfeier in Altdorf.